Die Isle of Skye an einem Tag zu erkunden ist genauso unmöglich, wie Schottland in einer Woche. Aber da wir nun mal nur einen Tag Zeit haben, versuchen wir das Beste daraus zu machen. Von unserem B&B aus, das recht zentral in Ullinish gelegen ist, kommen wir gut rum. Zuerst führt uns unser Weg Richtung Norden, nach Dunvegan. Die Straße in den Ort, in dem der Clan McLeod seinen Familiensitz hat, ist die westliche Hauptstraße. Zumindest sagt uns das die Karte. Wir fahren nun schon eine gute Viertelstunde, vorbei an kleinen, niedlichen, ausgestorben wirkenden Dörfern, einzelnen Häusern, Kirchen und natürlich vielen Schafen, von Menschen, geschweige denn von Autos, war aber kaum etwas zu sehen. Entweder buddeln sich die Schotten tagsüber ein und kommen nur Nachts aus Ihren Schlupflöchern, oder es wohnt gar niemand auf der Isle of Skye. Nicht, dass wir uns beschweren wollten, weil so wenig Leute zu sehen sind, aber es ist schon manchmal unheimlich. In Dunvegan selbst stellen wir aber erleichtert fest: es gibt doch noch Schotten in Schottland!

bild121berichtDunvegan ist eine kleine Stadt mit zwei Straßen, die den Ort durchziehen. Gemütlich ist es hier, wir sehen viele Hotels, einen kleinen Supermarkt, eine Poststation, eine Tankstelle und einige Pubs. Der Rest sind Wohnhäuser, die allerdings kaum direkt an der Straße zu finden sind, sondern etwas versetzt nach hinten oder in kleinen Stichstraßen. Hier finden wir auch wieder das nette Hotel, in dem wir vor einem Jahr schon einmal waren „The Tables Hotel“. Exzellente Küche, tolle Biere (!). Hier haben wir auch „Ebulum“ kennengelernt.

Einen Abstecher zum Dunvegan Castle sollte man schon gemacht haben. Auch wir dachten uns das, fuhren hin, stellten fest, dass uns der Eintritt zu teuer war und kehrten – wenn wir schon mal dort waren – zumindest im kleinen Restaurant des Schlosses auf ein Millionaire-Shortbread ein. Auf dem Rückweg nach Dunvegan fiel unser Augenmerk auf ein Hinweisschild mit der Aufschrift „The St. Kilda Collection“. Da es uns die kleine Inselgruppe 80 Kilometer westlich vor den Äußeren Hebriden im Atlantik gelegen, sehr angetan hat, mussten wir dort natürlich hin. Wir fanden einen kleinen, sehr gemütlich eingerichteten Laden, der viel Kleidung verkaufte, aber auch Bücher und Ansichtskarten von St. Kilda. Das Stöbern konnte beginnen. Eine halbe Stunde später waren wir um 30 £ ärmer, aber glücklich, ob der neuen Literatur, die wir die folgenden Abende gierig verschlingen würden.

Nun führt uns unser Weg westwärts, an Loch Dunvegan vorbei. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und man kann erkennen, wie malerisch sie direkt am Loch liegt. Ein letzter Blick hinunter nach Dunvegan und weiter geht es Richtung Westen. Unser Ziel heißt: Neist Point.

bild112berichtBevor wir das erste mal nach Schottland kamen, hatten wir mit Leuchttürmen so gar nichts am Hut – verständlich, denn bei uns in Franken findet man selten welche! Aber irgendwie haben es uns Leuchttürme mittlerweile angetan. Deswegen die Fahrt zum Neist Point. Hierhin führt, ab einem gewissen Punkt, nur noch eine Single Track Road. Irgendwie erinnert uns das Ganze etwas an die Straße zum Mull of Kintyre. Äußerst schmal, sehr kurvenreich und mit recht vielen Bodenwellen versehen. Von Dunvegan aus ist die letzte Ortschaft vor Neist Point, na sagen wir, 30 Autominuten entfernt. Es sind sicherlich nicht allzu viele Kilometer, aber durch die Beschaffenheit der Straßen dauert es hier eben etwas länger. Seit wir in Dunvegan losgefahren sind, sind wir, glaube ich, an keinem Supermarkt mehr vorbei gekommen. Wo bitte gehen die Leute hier einkaufen? Und was ist, wenn hier mal ein Notfall eintritt? Aber vielleicht macht man sich darüber hier keine Gedanken. Die Uhren ticken hier anders und auch die Menschen sind nicht mit uns sicherheitsbewussten Deutschen zu vergleichen. Gleich nach der Ortschaft, noch zwei Kurven, zehn Schafe, fünf Rinder und schon stehen wir am Parkplatz zum Neist Point. Dead End!

Von hier aus geht nur noch ein Fußweg, ziemlich steil bergab. Das Ziel des Weges, den Leuchtturm selbst, kann man von unserem Standpunkt aus nicht sehen, da er sich hinter einem Berg versteckt. So, nun stellt sich die Frage: Wollen wir unbedingt zum Leuchtturm? Wollen wir den langen und beschwerlichen Fussmarsch auf uns nehmen? Es dauert sicherlich Stunden bis wir am Lighthouse ankommen. Und dann wieder Stunden zurück, dann ist es schon dunkel und man kann sich leicht verirren… Wir beschließen deshalb – und auch wegen des Eintritts von 2 £, der hier für einen unfreiwilligen Fußmarsch verlangt wird, nicht hin zu gehen, sondern unser Glück auf einer Anhöhe, rechts vom Parkplatz, zu versuchen. Irgendwo muss man den Leuchtturm doch sehen. Nachdem wir also durch knöcheltiefen Schlamm, mitten durch eine Kuhweide und an einem mindestens 50 Meter tiefen Abgrund vorbei gestapft sind, finden wir ihn doch noch: Den Blick auf Neist Point, der von unserem Standpunkt aus sicherlich noch schöner ist, als direkt davor, wo man den Leuchtturm eh nicht ganz aufs Bild bekommt. Wir verweilen noch ein paar Minuten, lauschen dem Rauschen der Brandung und genießen die Natur, ehe wir uns wieder auf den Weg zum Auto machen, denn wir wollen weiter. Noch mehr von dieser fantastischen Insel sehen. Weiter Richtung Quiraing.

bild086berichtDer liegt nun ganz am östlichen Ende. Wir fahren also wieder die Straße Richtung Dunvegan. Komisch, wir waren heute schon mal hier, das Ganze sieht aber irgendwie anders aus. Das ist das Fantastische an Schottland. Hinter jeder Kurve eröffnet sich ein neuer Blick, auch wenn man Strecken schon mal gefahren ist, man sieht die Landschaft immer wieder anders. Wieder durch Dunvegan führt uns die Straße nun in Richtung Uig. Der Küsten- und Anlegeort für Fähren ist sehr schön in einer Bucht gelegen, ansonsten ist in Uig nicht besonders viel zu finden. Also folgen wir der Straße Richtung Quiraing, die sich zuerst steil und serpentinenartig bergauf schlängelt, ehe die Abzweigung Richtung Quiraing ausgeschildert ist. Wir hätten auch von Osten her kommen können, aber der Blick von unserer Richtung aus ist einfach atemberaubend. Hier sieht man die ganze Schönheit der Landschaft, die sich in Jahrmillionen so geformt hat. Solltet Ihr, ebenso wie wir, von Uig aus anfahren, müsst Ihr Euch etwas in Geduld üben, denn von der Abzweigung bis zum Quiraing ist es noch gut eine halbe Stunde Fahrt. Am Quiraing angekommen muss man einfach aussteigen und den kleinen Trampelpfad links der Straße folgen. Nur zwei-, dreihundert Meter. Denn erst von hier sieht man die ganze Schönheit des Quiraing. Man hat einen irren Blick über die Landschaft, bei guter Sicht kann man sogar bis Gairloch schauen. Den Quiraing kann man nicht beschreiben, man muss ihn gesehen haben. Ein Erlebnis ist auch die Fahrt die Single Track Road hinunter Richtung Küste. Wer Angst vor engen Straßen, verbunden mit Abgründen und dann noch entgegenkommenden Autos hat, soll am besten die Augen zumachen – oder er läuft.

Von hier aus ist es nicht mehr weit zu unserem nächsten Ziel: Kilt Rock Waterfall. Irgendwie soll der Wasserfall, der sich an der östlichen Steilküste der Isle bestimmt 100 Meter in die Tiefe stürzt, nach einem Kilt aussehen. Können wir nun nicht so ganz feststellen, aber vielleicht stehen wir auch im falschen Winkel zum Wasserfall. Eigentlich wollen wir hier ein bisschen ausharren, den Blick auf den Sound of Raasay genießen und vielleicht eine Kleinigkeit essen, aber da hat jemand was dagegen. Diese kleinen, schwarzen, aufdringlichen, ekelhaften, stechwütigen Mücken, man nennt sie hier Midges, die schlimmer sind, als unsere heimischen Schnaken. Die sieht man wenigstens noch. Aber diese Viecher… Also gut, fahren wir weiter. Wir wollen schließlich noch ein bisschen was von der Isle of Skye sehen.

bild119berichtDie Straße an der Ostküste führt uns nun in Richtung Süden, vorbei am Old Man of Storr, nach Portree. Der malerische Hafenort ist bekannt für seine bunte Häuserzeile, direkt am Wasser. Auch wir müssen dieses Panorama festhalten. Klar! Und wir müssen hier auch einen kleinen Stadtbummel machen. Denn Portree hat eine kleine nette Einkaufsstrasse, in der man, vor allem als Tourist, alles findet, was das Herz begehrt. Etwas versteckt, in einem kleinen Hof, finden wir einen Laden, der da heißt: „The Isle of Skye Soap Company“. Wir natürlich gleich hinein, um zu sehen, was es denn dort gibt. Seife! Alle Arten von Düften. Hier wird die Seife noch vom Block geschnitten und nett eingetütet. Mal ein anderes Mitbringsel für Freunde und Verwandte. Wir schlagen zu. Besonders angetan hat es uns die Pfefferminzseife. Die riecht so gut, da will man gleich reinbeißen. Aber bevor wir irgendeinen Blödsinn machen, den wir dann sicherlich bereuen würden, setzen wir uns lieber wieder ins Auto und fahren Richtung Ullinish. Schließlich ist es schon später Nachmittag, wir haben viel – beileibe noch nicht alles – von der Isle of Skye gesehen und wollen den Abend gemütlich auf der Bank vor unserer Unterkunft bei einer Flasche Ale ausklingen lassen. Morgen ist auch noch ein Tag, an dem wir wieder viel erleben werden.

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