In den letzten Jahren haben wir auf unseren Touren durch Schottland jede Nacht in einer anderen Stadt verbracht. Dieses mal haben wir darauf verzichtet weite Strecken zurück zu legen und erkunden stattdessen die nähere Umgebung unserer Übernachtungsorte. Die Orte eben, an die man sonst nicht hinkommt, wenn man eine Rundreise durch Schottland macht. So ein Ort ist Mallaig, an der Westküste Schottlands, direkt am Sound of Sleat. Von Fort William ist der Küstenort etwa zwei Stunden entfernt. Mit dem Auto ist die Strecke schon ein Erlebnis, wie muss sie da erst mit der Eisenbahn sein. Nicht umsonst wird die Strecke zwischen diesen beiden Orten als eine der schönsten Eisenbahnstrecken auf der Welt bezeichnet.

bild007berichtWir lassen Fort William hinter uns und fahren am nördlichen Ufer von Loch Eil entlang. Nicht ohne auf halber Strecke anzuhalten und den Blick nach hinten zu richten, denn von hier aus hat man einen grandiosen Blick auf Schottlands höchsten Berg, den Ben Nevis. Heute spielt das Wetter nicht so mit wie am ersten Tag, als wir Sonnenschein pur hatten. Der Gipfel ist in Wolken gehüllt, dennoch ist der Anblick fantastisch. Glücklicherweise regnet es nicht, wobei auch das nicht besonders schlimm wäre, denn wenn man nach Schottland fährt, dann rechnet man damit, dass es mehr regnet, als das die Sonne scheint. Weiter am Loch Eil kommen wir schließlich zum Glenfinnan Monument, mit einem schönen Ausblick auf Loch Shiel. Doch schon beim Näherkommen sehen wir die Touristen zum Monument stürmen und so lassen wir kurzerhand dieses Wahrzeichen schottischer Geschichte hinter uns und fahren weiter durch das Gebiet von Arisaig bis kurz vor den Ort Lochailort.

bild106berichtVorbei an spärlich bewaldeten Berghängen und unzähligen Schafen, die einen kauenderweise nicht aus den Augen lassen, finden wir noch etwas anderes, das auf unser Interesse stößt: An einem Berghang, direkt neben der Straße, steht ein weißes Haus, das von der Form her an eine Kirche erinnert. Zum Gebäude führt eine kleine Zufahrtsstraße, versperrt mit einer Schranke. Als wir oben am Haus ankommen, stellen wir fest, dass es sich hier tatsächlich um eine alte Kirche handelt. Der Haupteingang und die beiden Seiteneingänge sind durch Holzbretter vernagelt, ebenso die Fenster. Durch ein Fenster können wir einen spärlichen Blick ins Innere werfen und erblicken einige Überbleibsel einer Kirche. Auch die Fenster, die nicht zugenagelt sind, haben Inschriften, die an ein Gotteshaus erinnern. Die ehemalige Kirche wird wohl nun als Abstellschuppen genutzt – wie traurig! Das wirklich Merkwürdige und auf unser Interesse stoßende ist: Warum steht hier, mitten in der Landschaft, eine Kirche? Kein Haus weit und breit, kein Anzeichen eines alten Dorfes, kein Friedhof, nichts…. Eine Antwort haben wir bis heute nicht gefunden.

bild010berichtAn Lochailort vorbei geht die Straße wieder in eine Single-Track-Road über. Bei Arisaig fahren wir schließlich an der Küste entlang und werden durch Schilder darauf hingewiesen, Obacht zu geben, da auf der Straße Läufer unterwegs seien. Tatsächlich haben wir einen Tag vorher etwas von einem Marathon in Mallaig gelesen. Läufer sehen wir zwar nicht und auch kaum Autos, die uns entgegenkommen. Wir scheinen einem Ort entgegen zu fahren, den niemand kennt oder keiner sehen will. Dabei hat Mallaig einen Fährhafen mit insgesamt drei Fährverbindungen auf die Isle of Skye, nach South Uist und nach Barra. Aber daran haben wir uns in Schottland schon gewöhnt und das ist auch das Schöne an diesem Land. Man kann stundenlang eine Straße entlangfahren, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen.

Schließlich kommen wir in Mallaig an. Unser Geschmack ist die kleine schottische Küstenstadt nicht, da gibt es weitaus Schönere. Aber wenn wir schon mal hier sind, steigen wir aus und erkunden das „Stadtzentrum“ mit einem Spar-Markt, einem Touristenladen, einer Touristinformation und einem Bücherladen, der sich in einem umfunktionierten Wohnwagen befindet. Das war´s dann auch schon wieder.

bild107berichtBis Lochailort fahren wir dieselbe Strecke wieder zurück, biegen dann aber ab in Richtung Süden, um zum Point of Ardnamurchan zu gelangen, dem westlichsten Punkt von Schottland, sieht man von den Hebriden mal ab. Dort soll sich ein Leuchtturm-Museum befinden. Vorher durchqueren wir das Gebiet von Moidart und Ardnamurchan, vorbei an den kleinen Orten Roshven, Ardmolich und Salen, bevor es wieder an der Küste von Loch Sunart entlang in Richtung Westen geht. Auch hier bietet die Gegend atemberaubende Szenarien. Steile Küsten, hohe Gebirgszüge, einige wenige Waldgebiete, alles innerhalb von wenigen Minuten Fahrzeit. Und dazwischen Schafe und schottische Hochlandrinder! Wo gibt es sonst so etwas? Nach jeder Kurve eröffnet sich ein anderes Bild der Landschaft. Hier kann niemand voraussagen, wie es hinter einem Berg, nach einem Waldgebiet oder hinter der nächsten Kurve aussieht. Und selbst wenn man die selbe Strecke schon zig-mal gefahren ist, man findet immer wieder neue Ausblicke auf eine unberührte, fast menschenleere Landschaft.
Kurz vor dem westlichsten „Ende“ Schottlands wird die Straße so schmal, dass ein Ampelsystem den doch sehr spärlichen Verkehr zum Leuchtturm, leiten muss. Am Leuchtturm angekommen zahlen wir den doch recht stolzen Eintritt von 4 Pfund pro Person und machen uns auf den Weg zum Museum. Die Ausstellung selbst ist zwar interessant, allerdings auch so aufgebaut, dass man in gut 15 Minuten alles gesehen hat. Danach wollen wir noch zum Leuchtturm selbst, da die Ausstellung um Anbau daneben untergebracht war. bild012berichtAm Leuchtturm angekommen, genießen wir erst einmal die tolle Aussicht auf das Meer. Trotz des heute etwas schlechteren Wetters können wir in wenigen Kilometern Entfernung die Inseln Coll, Muck, Eigg und Rum ausmachen. Etwas weiter im Norden zeichnen sich die Umrisse der Isle of Skye schemenhaft ab. Die Äußeren Hebriden, die man bei gutem Wetter von hier aus sehen kann, sind heute in dichte Wolken gehüllt. Nach einigen tiefen Atemzügen, für Franken ist die Meerluft doch immer etwas Besonderes, wollen wir nun auch in den Leuchtturm. Doch da erleben wir die erste Enttäuschung dieses Urlaubs: Der Leuchtturm ist abgeschlossen, ein Besuch nicht möglich. Später erfahren wir, dass der Leuchtturm erst noch zum Museum umgebaut werden soll, dies aber wohl noch etwas dauern wird.

Unser Rückweg führt uns dieselbe Strecke zurück, die wir gekommen waren. Ursprünglich wollten wir bei Salen am Loch Sunart und dann am Westufer von Loch Linnhe wieder nach Fort William zurückfahren. Doch das Schicksal will es anders. Nachdem wir die Tankanzeige sehen, entschließen wir uns, den kürzesten Weg zu nehmen, denn die nächste Tankstelle ist erst wieder in Fort William und bis dort hin ist es noch ein weiter Weg. Aber wir haben Glück und schaffen es gerade noch so – recht viel weiter wären wir dann aber auch wirklich nicht mehr gekommen. Das ist das Problem in Schottland. Die Strecken sehen nicht weit aus, ziehen sich aber durch die kurvenreichen Straßen doch sehr in die Länge. Aber hätte man die Straßen wie in Deutschland ausgebaut, würde der Reiz, der besondere Flair und auch der Spaß am Autofahren sehr schnell verloren gehen.

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