Tag 3 unseres diesjährigen Schottland Urlaubs wird von der Fahrt auf die wunderschöne Isle of Skye geprägt. Wir fahren von Fort William aus in Richtung Norden, vorbei an Loch Lochy und Loch Garry. Schon die Fahrt auf die Isle of Skye ist ein Erlebnis für sich  – so wie der gesamte Schottland-Urlaub. Wir passieren tiefe Täler, die von mächtigen Bergen, deren Gipfel an diesem Morgen in Wolken gehüllt sind, umgeben werden, eingebettet in die verschiedensten Braun- und Grüntöne. Große, kahle Stellen, dazwischen vereinzelt Bäume, immer wieder Felsen. Sogar in dieser, vielleicht für viele, unwirtlichen Gegend, hat Gott noch Platz gefunden, um Bäume, Gräser und Blumen sprießen zu lassen. Doch diese Gegend hat auch einen besonderen Reiz, eine besondere Anziehungskraft. Es ist einfach überwältigend, diese Natur zu sehen, sie erleben zu dürfen.

bild101Neben diesen mächtigen Glens, die wir durchfahren, sind auch wieder einige Anhöhen mit, in Schottland leider sehr wenig gewordenen Wäldern, dabei. Der Grund für die geringen Baumbestände: die Schotten selbst. Sie holzen ab, um dann wieder aufzuforsten, was vielleicht auch teilweise gelingen mag, aber uns dennoch unbegreiflich ist. Auf einer Anhöhe über dem Loch Garry müssen wir einfach stehen bleiben um ein Foto zu schießen. Unter uns der große See, wie in Schottland üblich, weit in die Länge gezogen. Auf der anderen Seite ragen Berge in die Höhe, vereinzelt findet man Bäume, der Rest ist Wiese und Heide. Und auf unserer Seite? Wir stehen direkt neben der Straße und können unseren Augen nicht trauen. Vor uns ein ehemaliger Wald, abgeholzt, zerstört, vernichtet. Nur noch die trockenen, kahlen, toten Bäume liegen auf dem Waldboden, vereinzelt ragt noch ein Baum in die Höhe um dem Wahnsinn zu trotzen. Doch er hat keine Chance. Geschockt von diesem Bild machen wir uns weiter auf den Weg zur Isle of Skye. Wie muss Schottland vor etwa zwei Jahrhunderten ausgesehen haben, als es noch Wälder gab, in denen das Rotwild ein zu Hause hatte?

bild016berichtDoch schnell werden wir wieder versöhnt, spätestens dann, als wir Loch Cluanie passieren und in den Glen Shiel einfahren. Wenn man bedenkt, dass dies, neben der Coastal Route, die von Norden her an der Westküste entlang führt, die einzige Straße zur Isle of Skye ist, könnte man meinen, man fährt auf eine Insel, die kein Mensch kennt. Es ist kaum Verkehr auf der Straße. Ab und an kommen uns PKW entgegen. Auf einer Strecke von 50 Kilometern könnte man die Autos an vier Händen abzählen. Aber wir wollen uns ja nicht beschweren, sind stattdessen froh, nicht so viele Autos zu sehen und fahren unserem Ziel entgegen.
Vorher müssen wir noch am berühmtesten schottischen Castle vorbei: Eilean Donan Castle, bekannt geworden durch die Highlander Filme mit Christopher Lambert. Doch Eilean Donan Castle lassen wir aus drei guten Gründen einfach links bzw. rechts liegen. Erstens sind uns auf dem Parkplatz schon zu viele Touristen, zweitens kostet der Eintritt pro Person an die sieben Pfund und drittens waren wir letztes Jahr erst drin und mussten feststellen, dass man nichts verpasst hat, wenn man es sich nicht angeschaut hätte.

bild108berichtVon Weitem schon kann man bei Balmacara die Skye Bridge sehen. Vor einigen Jahren von einem Privatmann erbaut hat der mittlerweile sein Geld gemacht und sich vermutlich zur Ruhe gesetzt. Bevor die Brücke gebaut wurde, war die einzige Möglichkeit Skye zu besuchen, die Fährverbindung von Kyle of Lochalsh nach Kyleakin. Doch mittlerweile gibt es eben die Skye Bridge, man zahlt für eine normale Überfahrt stolze 5,70 Pfund, ist aber auch in gut zwei Minuten drüben.

Die ersten Kilometer auf der Isle of Skye Richtung Broadford sind recht unspektakulär. Fast ist man versucht zu glauben, dass sich die Fahrt hierher nicht gelohnt haben könnte. Aber schon wenige Kilometer nach Broadford wird man eines besseren belehrt. Hier steigt die Straße ziemlich steil an, um kurz vor Sconser einen atemberaubenden Blick auf Raasay, Scalpay und den Inner Sound präsentiert zu bekommen. Wer auf die Isle of Skye fährt und zum ersten Mal hier ist, sollte sich mindestens zwei volle Tage, am besten noch mehr, Zeit nehmen, um die Insel zu erkunden. Wir sind nun schon zum vierten Mal hier und obwohl wir schon in jedem Winkel waren, entdecken wir immer noch etwas Neues. Unser Weg führt uns bei Sligachan nicht in Richtung Norden, sondern nordwestlich Richtung Dunvegan. Heute wird der Insel der Name Isle of Skye durchaus gerecht. Übersetzt heißt es soviel wie „die Insel im Nebel“ und tatsächlich sind die Gipfel der Black Cuillins, die wir in der Entfernung sehen können, in Nebel bzw. tief hängende Wolken gehüllt.

bild019berichtUnsere heutige Unterkunft befindet sich in Ullinish, einem typischen kleinen Dorf mit etwa 20 Häusern, verstreut über etwa fünf Quadratkilometer. Das Haus liegt direkt neben Schafweiden. Um dorthin zu gelangen muss man einen ca. 500 Meter weiten, holprigen Feldweg passieren. Vor unserer Unterkunft ist eine Bank, die wir an diesem Abend auch dankbar nutzen. Mit einem schönen schottischen Bier setzen wir uns hin und genießen die Aussicht auf Loch Bracadale mit seinen vier kleinen Inseln, auf die westlichste Region von Skye und auch ein bisschen auf die unendlichen Weiten des Atlantiks. Zum krönenden  Abschluss dieses Tages erleben wir, als die Sonne am untergehen ist, noch ein fantastisches buntes Wolkenspiel. Zusammen mit der grandiosen Landschaft ist es die perfekte Szenerie für einen Maler. Wild aber doch romantisch, trist aber doch bunt, einsam aber doch voller Leben.

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